#39|2016: Mobilität/Unipolitik

Nein, danke! Was die Studienrechtsverschärfung für Studierende bedeutet – und warum wir sie scheiße finden.

StV PoWi


Vergangenes Semester ist es wieder passiert: Das Unileben wurde uns Studierenden erneut erschwert – durch Studienrechtsverschärfungen, Fristen, Kürzungen. Maßnahmen, die zu einer fortschreitenden Disziplinierung der Studierenden führen sollen, zu einer stärkeren Anpassung an gekürzte Lehrpläne, zu einer Entscheidungskonzentration in den Händen einiger weniger zentraler Instanzen. Und irgendwie scheint sich niemand dagegen zu wehren. Die altbewährte Salamitaktik zeigt Wirkung. Schritt für Schritt wird das Studieren, Lehren und Arbeiten an den Universitäten erschwert, allerdings in so kleinen Dosen, dass für viele ein bisschen Empörung schon zu viel des Aufwands zu sein scheint.

Dabei betreffen die Veränderungen uns alle, auch uns PoWi-Inskribierte und -Lehrende. Für alle machen sich die Verschärfungen zu Beginn des Semesters bemerkbar. Du hast vergessen dich rechtzeitig für Kurse anzumelden? Sorry, die Nachfrist wurde abgeschafft. Dir fehlt noch eine Note, um dein Bachelorseminar zu beginnen? Pech gehabt, die Voraussetzungsketten setzen ein. Ein_e Professor_in ist so nett, dich nachträglich für eine Prüfung anzumelden? Tut uns leid, dazu ist er/sie nicht mehr befugt.

Beim Betreten des Neuen Institutsgebäudes fällt ein Spruch ins Auge. „Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei“, aber ist dem immer noch so? Mit der Einverleibung des Wissenschafts- ins Wirtschaftsministerium ist ein weiterer Schritt hin zur Ökonomisierung der Universität getan, der als Symbol für den beständigen Abbau der freien Lehre steht. Budget- und Stellenkürzungen sind seit Jahren ein Mittel, die freien und kritischen Bildungsmöglichkeiten einzuschränken. Dies zeigt sich auch in den monatlich strikteren Studienrechtsverschärfungen, von rechtlichen bis zu finanziellen Barrieren.

Die zunehmende Strukturierung der Studien und der Notendruck äußern sich in einem Wandel – das Studium unter Zeitdruck bietet nicht mehr die Möglichkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit Inhalten und Denkweisen, womit sich die Unis immer noch rühmen. Stattdessen wird es zu einer Ausbildungsstätte, die bemüht ist, den wirtschaftlichen Ansprüchen zu genügen.
Gleichzeitig wirken die neuesten Änderungen paradox, führen sie doch teilweise zu unerwünschten Verlängerungen des Studiums.

„Die An- und Abmeldeverfahren zu Prüfungen und prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen geben ein gutes Beispiel dafür. Wo üblicherweise Professor_innen auch nachträglich noch Studierende aufnehmen konnten, verhindern dies jetzt im Normalfall strikte, von der Studienprogrammleitung zu setzende Fristen. Dies kann zur absurden Situation führen, dass bei Lehrveranstaltungen, in denen es noch freie Plätze gibt, nach Ablauf der Anmeldefristen keine weitere Aufnahme von Interessierten möglich ist.
Auch die Verkürzung der maximalen Nachreichfristen für schriftliche Beiträge im Rahmen prüfungsimmanenter Lehrveranstaltungen schränkt Studierende in ihrer zeitlichen Planung und damit in der freien Gestaltung ihres Studiums weiter ein. Gerade für Menschen mit psychischen und/oder physischen Beeinträchtigungen, sowie für Berufstätige bedeutet dies eine zusätzliche Erschwernis des Studiums. Die Möglichkeit, Hausarbeiten zu verfassen, um dadurch die fehlende Anwesenheit kompensieren zu können, wird erschwert.“ (Statement des Zusammenschlusses der Studienvertretungen fight 4 ur studienright, 11.12.2015)

Zusätzlich können die durch die Verschärfungen möglichen Verlängerungen zu Verlust von Beihilfen und anderen finanziellen Unterstützungen führen – ein erheblicher Nachteil für jene Mitstudierenden, die auf diese Mittel angewiesen sind. Letztendlich haben Änderungen, die das freie Studium einschränken, weder für die Studierenden, noch für die Lehrenden positive Auswirkungen. Und sie sind Grund genug für ein wenig Protest und Widerstand!

Eure StV PoWi

Heft #39/2016 als .pdf

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